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Hier wird die Geschichte des Phoenix Barden in Textform ständig weitergeführt. Die Geschichte wird begleitet und ergänzt durch die musikalische Umsetzung, z. B. vom „Vampir“ oder auch anderen Protagonisten. Die Songs zeigen Schicksale und Emotionen, die oft nur durch Musik und Melodien nachempfunden werden können. Und das ist das Ziel des Phoenix Barden: Die Geschichte vollständig erlebbar machen. In Zukunft kann dies auch durch Illustrationen oder gar Hörspielen geschehen. Wer weiß wo uns der Phoenix Barde hinführt?

Wir begleiten und helfen ihm im Kampf gegen den Rabenkönig!

Part 1 könnt Ihr nun auch bequemer als Flipbook lesen (einfach rechts oben auf „Vollbild“ klicken):

Tipp: Dieses nette Büchlein gibts bei unseren Konzerten. Aus Papier! Gedruckt!

Prolog

150 Jahre später

Der Vampir

Der Auftrag

Flucht vom Knochenschiff

Schaukelnd glitt das Schiff über die Wellen. Meilen um Meilen war nichts als das dunkle graue Wasser zu sehen. Erschöpft lehnte der Barde mit dem Kopf an der Reling. Er spürte das Brennen seiner Arme. Die Zeit war für ihn zu einer undefinierbaren Größe geworden. Ruderte er schon Wochen, Monate oder sogar Jahre? Er wusste es nicht. Verkrampft versuchte er seine Faust zu ballen, doch die Schwielen auf seinen Handflächen hinderten ihn und er stöhnte auf vor Schmerz. Daraufhin ließ er die Schultern hängen und leeren Blickes glitten seine Augen wieder über die wogenden Wellen. Ein Matrose schritt an ihm vorüber und verhöhnte ihn. „Na?! Wie gefällt euch eure Kajüte? Geehrter Passagier?“, spottete er. Er musterte den Barden. „Ich glaube aber nicht, dass sich das Schiff von allein bewegt“, fuhr er fort und griff nach seiner Peitsche. „Schon gut! Ich rudere!“, antwortete der Barde entsetzt und packte schnell die Ruder. Doch der Matrose holte bereits aus und traf ihn genau zwischen den Schulterblättern. Er schrie auf und krümmte sich vor Schmerz. „Lass dir das eine Leere sein, Ruderer!“, sagte der Matrose und wandte sich zum Achterdeck um. Der Barde biss die Zähne zusammen und begann zu rudern.

Die Tage schienen endlos. Auf dem Meer der Toten wurde es nie Nacht, sodass nicht zu bestimmen war, wie lange er bereits ruderte. Stets glomm ein blass gräuliches Leuchten aus dem wolkenverhangenen Himmel. Er fragte sich, ob er nicht langsam den Verstand verlor. Unaufhörlich hoben und senkten sich die Ruder. Nach einer gefühlten Ewigkeit begann sich der Barde in Erinnerungen aus besseren Tagen zu flüchten. Während er voller Gram auf seine geschundenen Hände blickte, erinnerte er sich daran, wie er das erste Mal auf seiner Laute gespielt hatte und an das Gefühl und die Freude, die ihm die Musik gebracht hatte. Bald verschwamm sein Blick und Tränen glitten unaufhörlich über sein Gesicht.

Flüsternd und sehr schwach drang eine Stimme an sein Ohr. Sie klang zunächst gedämpft und wie durch Watte, doch nach und nach wurde sie immer bohrender, immer drängender. Eine Hand legte sich auf seine Schulter und langsam, wie in Trance, wandte er den Kopf. Der Ruderer hinter ihm hatte sich nach vorne gebeugt und starrte ihn mit leerem Blick an. Eine krächzende Stimme drang aus einer Kehle: „…Da…bist…“. „Was?“, fragte der Barde verwirrt. „Da …bist du ja…“, sagte der Ruderer nun etwas lauter. „Ich verstehe kein Wort. Ich bin doch schon die ganze Zeit hier“, antwortete der Barde. Der Ruderer zog ihn näher zu sich. „Hast du eine Ahnung wie lange ich schon nach dir Suche?“, sagte er mit gereiztem Unterton. Er verstärkte seinen Griff.  „Aua, was soll das? Lass mich los!“, sagte der Barde und schüttelte die Hand von seiner Schulter. „Lass das! Sonst werden wir ausgepeitscht!“, flüsterte er und blickte sich hastig um. Dabei traf sein Blick auf den von Bootsmann Taran. Dieser stand direkt vor ihm. „Was wird das hier?!“, fragte er, „Kaffeekränzchen?“ Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Du lernst wohl nie, oder?“, sagte er kopfschüttelnd. Gemächlich zog er seine Peitsche und ließ sie dann blitzartig nach vorne schnellen. Der erste Hieb traf den Barden an der Schulter und zerfetzte den letzten Rest seines kümmerlichen Hemdes. Der zweite fuhr dem Ruderer mitten durchs Gesicht und ein kurzes Wimmern war zu hören. Der Barde blickte auf seine Schulter und sah, wie sich ein blutiger Striemen zum Oberarm zog.

„In die Riemen!“, sagte Taran lachend und schritt wieder die Reihen der Ruderer entlang. Wie ein geschundener Hund ergriff der Barde erneut die Ruder und die Tortur begann von neuem. Glühender Schmerz zog sich heiß bis in seine Fingerspitzen und er spürte, wie sein linker Arm bereits taub wurde. „Du bist so ein Dummkopf!“, flüsterte die Stimme des Ruderers hinter ihm. „Pssst! Fängst du schon wieder an, Mann?“, zischte der Barde leise.  „Du hast doch gesehen was passiert, wenn…“ „Ich habe dir Kräfte verliehen, warum in allen Höllen nutzt du diese nicht?“, unterbrach ihn der Ruderer gereizt. Der Barde hielt verdutzt inne. „Kräfte? Moment?! Diese Stimme… Ich kenne diese Stimme“, sagte er verdutzt,  „Bist du der Schatten aus meiner Zelle? Bist du dieser Herr der Zeit“, fragte er. „So ist es, mein Freund“, antwortete der Herr der Zeit.

Schritte näherten sich ihnen. Schnell begann der Barde wieder zu rudern. Drei Matrosen schritten an den Reihen entlang. Kurz vor dem Ende der Ruderreihen blieben sie stehen. Der Barde sah, wie einer der Matrosen auf einen zusammengesunkenen Ruderer deutete. Im nächsten Moment packten die übrigen Matrosen den Mann, hoben ihn hoch und warfen ihn über Bord. „Was ein Schwächling“, sagte einer der Matrosen, „Mal sehen, wie lange es dauert, bis er merkt, dass er nicht ertrinken kann“, sagte ein anderer. Die Matrosen begannen zu lachen. „Kapitän Nilus sagte, wir sammeln ihn später wieder ein“, sagte der Erstere und die Matrosen kicherten bösartig. „Mal sehen, ob er dann immer noch schlapp macht“, sagte er noch und die drei schlenderten wieder zurück die Reihen entlang.

 Als sie sich weit genug entfernt hatten, flüsterte der Barde: „Du versprachst mir ewiges Leben! Nicht ewiges Rudern!“ Der Herr der Zeit lachte leise. „Ich habe mein Versprechen gehalten“, sagte der Herr der Zeit. „Ach ja?! Schau dich mal um. Du bist doch selbst an die Planken gekettet“, erwiderte der Barde fassungslos. „Sei kein Narr! Ich bin nicht wirklich hier. Ich nutze nur diese arme Seele, um mit dir zu sprechen.“ sagte er. Der Barde warf erneut einen Blick über die Schulter. Der Ruderer schien wie wegetreten.  „Zauberei?“, fragte der Barde. „Nicht wirklich“, erwiderte der Herr der Zeit, „Ein kleiner Taschenspielertrick, sonst nichts“, ergänzte er. „Na gut. Aber wie sollen wir… ich meine ich… wie soll ich von hier entkommen?“, fragte der Barde. „Eine gute Frage“, sagte der Ruderer. Nach einer kurzen Pause fragte er schließlich: „Was spürst du?“ „Was sollte ich spüren?“, antwortete der Barde verdutzt. „Auch eine gute Frage“, erwiderte der Herr der Zeit. „Du bist tot mein Freund. Meinst du, du hättest einen Körper, der spüren könnte?“, fragte er schmunzelnd.

Der Barde schwieg und dachte darüber nach. Es war ein guter Punkt. Schließlich fuhr der Herr der Zeit fort: „Die Schmerzen, die du spürst, sind nur Echos. Hier im Meer der Toten landen nur Seelen, welche den Übergang nicht geschafft haben. Als Seele hast du keinen Körper und daher kannst du auch keine körperlichen Schmerzen spüren. Oder wundert es dich nicht, dass deine Wunden schon wieder verheilt sind, oder warum du immer wieder neue Schwielen bekommst?“ „Jetzt wo ihr es sagt…“, entgegnete der Barde stirnrunzelnd. Der Barde blickte an sich herab. Es stimmte. Die Wunde an der Schulter war nicht mehr da. „Ihr habt recht!“, rief er etwas zu laut. „Leise mein Freund“, zischte der Herr der Zeit. „Noch wollen wir keine Aufmerksamkeit. Hör zu!“, fuhr er fort. „Ich kann dir ein Portal ins Diesseits öffnen, aber um deine Ketten musst du dich selbst kümmern“, sagte er. Der Barde zog an seinen Ketten und sie rasselten leise. „In Ordnung, aber wie sollte ich das anstellen?“, fragte er. „Als du starbst, sprach ich einen mächtigen Zauber. Ich habe dir große Macht verliehen. Du musst sie nur nutzen.“, sagte der Herr der Zeit. „Geh in dich und spüre das Feuer!“, fuhr er leise fort.

Der Barde schloss die Augen. „Feuer?“, dachte er sich. Er spürte tief in sich hinein, konnte aber nichts dergleichen finden. „Moment halt“, dachte er, „Doch da ist etwas“, murmelte er nun. Er versuchte sich zu konzentrieren und tatsächlich, er konnte tief in sich etwas Fremdartiges, etwas mit großer Macht brennen fühlen. Er öffnete die Augen und blickte wieder zum Ruderer. „Ja, ihr habt recht. Ich spüre etwas“, sagte er. „Dann nutze es!“, entgegnete der Herr der Zeit. Der Barde schloss erneut die Augen und spannte sich an. 

Zunächst schien nichts zu geschehen, doch dann nach und begannen Dampfschwaden von seiner Haut emporzusteigen. „Ja, nur weiter!“, sagte der Herr der Zeit. Die Hitze stieg an. Nach wenigen Minuten begannen die Eisen um seine Handgelenke Rot zu glühen. Der Barde fühlte das Feuer brennen. Und schrie.

„Was ist da los!“, rief der Bootsmann Taran von Achterdeck. Matrosen eilten über das Deck. Schockiert sah Taran dabei zu wie der neue Ruderer seine Arme hob und die Eisen und Kettenglieder heiß wie Schmiedeeisen glühten. Vier Matrosen rannten mit gezogenen Säbeln über das Deck, als der Ruderer im nächsten Moment seine Arme auseinander breitete. Glühende Kettenglieder flogen übers Deck und trafen sowohl Matrosen wie Ruderer. „Kapitän Nilus, Sir! Das Frischfleisch hat es geschafft, sich von den Ketten zu befreien“, schrie der Bootsmann. Kapitän Nilus glitt an Tarans Seite und blickte ebenso fassungslos. „Wie ist das nur möglich?“, fragte er. Der Barde spürte die Macht. Flammen stiegen von seinen Armen empor. Er begann laut zu lachen. „Zurück an die Ruderbank, Sklave“, schrie eine tiefe Stimme. Der Barde wandte sich um. Er sah, wie Nilus von Achterdeck auf ihn herabblickte. Mit zornig blitzen Augen starrte er den Barden an.

Der Barde sah, wie der Kapitän in seinem Mantel kramte und ein Pergament hervorholte. „Erinnere dich! Du hast diesen Vertrag mit Blut unterzeichnet und mir damit deine Seele verkauft!“, sagte Kapitän Nilus zornig, „Du kannst nicht fliehen!“ „Ach wirklich?!“, rief der Barde. „Welcher Vertrag?“, fragte er grinsend und hob einen Arm. Fluchend ließ Nilus das Pergament fallen und sah verdutzt dabei zu wie dieser zu nichts als Asche verbrannte. Nun erhob sich der Ruderer und die Stimme des Herrn der Zeit dröhnte über Deck. „Es wird Zeit! Sei gegrüßt Nilus! Tut mir leid für die Umstände, aber dieser da gehört mir!“, rief er. Im nächsten Moment sackte der Ruderer in sich zusammen. „Du?“, schrie Nilus noch erzürnt, als sich im nächsten Moment backbord ein flammendes Portal öffnete.

„Danke für die Gastfreundschaft!“, rief der Barde und rannte die Reihen entlang. Im Vorbeirennen berührte er die Ketten der anderen Ruderer, welche sofort zu glühen begannen und ebenfalls schmolzen. „Nein!“, schrie Nilus. Haltet ihn auf!“, rief er seiner Mannschaft zu. Der Bootsmann Taran schwang sich mit einem der Taue auf das Vorderdeck und stellte sich dem Barden mit blankem Stahl entgegen. Der Barde spürte die Kraft in sich und lächelte nur. „Das wird mich nicht aufhalten“, sagte er und breitete die Arme aus. „Das werden wir ja sehen“, sagte Taran und stürmte vor.

Der Barde ging in Flammen auf. 

Von den Flammenzungen bedrängt, wich der Bootsmann mehrere Schritte zurück. „Was in allen Höllen?“, rief er nur, als sich im nächsten Moment etwas blitzschnell auf ihn zu bewegte. Brennend flog der Barde in Gestalt eines Feuervogels durch Taran hindurch und verbrannte ihn zu Asche. Es geschah so schnell, dass Kapitän Nilus nur ein: „Oh!“, von sich geben konnte, als der Phoenix im nächsten Moment auch schon durchs Portal flog. Kapitän Nilus zog sich seinen Hut vom Kopf und warf ihn über Bord. „Das wirst du mir Büßen, du verfluchter alter Mistkerl!“

Der Kampf beginnt

Talfurt brannte an allen Ecken lichterloh. Der Barde schwebte in seiner Phoenix Gestalt hoch über der Stadt. Wohin er seinen Blick auch wandte, sah er nichts als Kampf, Tod und Zerstörung. Die Verteidiger hatten überall in der Stadt Barrikaden errichtet und versuchten mit dem Mut der Verzweiflung die Übermacht abzuwehren. Doch schon jetzt konnte der Barde erkennen, dass die Menschen von Talfurt den Heerscharen des Rabenkönigs nicht viel länger standhalten würden. Weit hinter den Frontlinien im Zentrum der Stadt entdeckte er einen großen Marktplatz. Viele Einwohner hatten sich dort versammelt und er erkannte wie Frauen, Kinder, Alte und Verwundete sich zu hunderten dort einfanden. Er faltete seine Flügel und begann seinen Sinkflug.

Wenige Meter über den Boden begann er seine Gestalt zu wandeln und die Menschen stießen überraschte Rufe aus. Er spürte wie alle Blicke auf ihm ruhten und sah, wie dutzende Menschen auf ihn deuteten. Bei dem grausamen Anblick, der sich ihm bot, zog er scharf die Luft ein und er nahm den metallischen Geruch von Blut war. Dazu mischte sich der beißende Gestank von verbranntem Fleisch.

Mit unruhigen Augen schaute er sich um. Die Menschen wirkten verhärmt. Sie hatten eingefallene Gesichter und waren von den Wochen des Kampfes gezeichnet. In ihren Augen lag eine tiefe Hoffnungslosigkeit, welche ein trauriges Zeugnis ihrer Strapazen war. Trotz des Chaos um ihn herum bemerkte er, wie sich Schritte näherten. Er wandte sich um und sah, wie ein Trupp Bewaffneter auf ihn zukam. Der Vorderste trug dicke Bandagen um seine Brust und deutete mit gezogener Klinge auf ihn. „Zurück mit dir! Unnatürliche Bestie!“, rief er voller Furcht mit brüchiger Stimme und streckte seine zitternde Klinge vor.

Der Barde hob langsam beide Arme und räusperte sich. „Guter Mann! Ich komme in Freundschaft.“ Er drehte seine Handflächen nach außen und sagte beruhigend in seinem besten Bariton: „Habt keine Furcht! Ich bin hier, um den Einwohnern von Talfurt beizustehen.“ Erleichterte Mienen machten sich unter den Soldaten breit und ihre Klingen senkten sich ein Stück. Der Vorderste des Trupps ergriff erneut das Wort: „Habt dank für eure Worte. Aber wer seid ihr? Seid ihr ein Zauberer? Wie könntet ihr uns in dieser ausweglosen Situation helfen? Bringt ihr Verstärkung aus Merangardt?“

Der Barde erwiderte freundlich: „Tut mir leid, guter Mann. Über Verstärkung aus Merangardt hörte ich leider nichts. Man nennt mich den Phoenix Barden. Ich eilte von weit her und kam, um den Rabenkönig aufzuhalten.“ „Ihr allein?“, antwortete der Soldat verdutzt. Der Barde nickte und blickte sich um. „Guter Mann, seid doch bitte so nett und weist mir die Richtung. Wo finden zurzeit die härtesten Kämpfe statt?“ Ungläubig deutete der Soldat zum Westende des Marktplatzes. „Dort…“, sagte er leicht fassungslos. „Habt dank“, sagte der Barde und ließ den Trupp erstaunt und sprachlos stehen. 

Der Barde schritt über den Marktplatz und hörte dabei von allen Seiten das Wimmern und Wehklagen der Überlebenden. Auf halbem Weg näherte er sich einem Lagerfeuer, an dem sich dutzende Menschen versammelt hatten. Sie teilten ihre wenigen Vorräte und spendeten sich Trost. Inmitten der Menge saß ein Mann auf einem Fass. Er trug eine Laute und spielte eine melancholische Melodie. Der Barde blieb stehen und lauschte. Lang war es her gewesen, dass Musik an seine Ohren gedrungen war. Er konnte nicht anders und schloss die Augen. Voller Freude erklangen die Töne in seinen Ohren und kurz wünschte er sich zurück in sein altes Leben. Nach einer Weile mischte sich die tiefe sanfte Stimme des Mannes hinzu und er begann zu singen. Er sang eine düstere Geschichte. Älter als die Zeit. Er sang vom Rabenkönig und seinen Untaten. Von Schlachten, von Gefallenen und von Liebe. 

Der Phoenix Barde ließ sich von dieser Geschichte gefangen nehmen. Doch bemerkte er auch die detaillierten Schilderungen des Mannes und konnte sich nicht gegen den Eindruck erwehren, dass dieser viel mehr über den Rabenkönig wusste, als er wissen durfte. Nachdem der Mann das Lied beendete, näherte sich ihm der Barde: „Seid mir gegrüßt. Sagt guter Mann, woher stammt diese Geschichte?“, fragte der Barde. Der Mann hob den Kopf und der Barde blickte in ein tief vernarbtes Gesicht. Schnell wanderten dessen Augen wieder zu Boden und er begann kryptisch zu antworten: „Wer weiß? Von nah oder fern? Aus Vergangenem? Oder Zukünftigem? Wer kennt schon die Antwort?“

Der Mann schlug einen Akkord auf seiner Laute und fuhr melodisch fort: „Die Welt ist größer und älter als der Rabenkönig. Das Muster der Zeit webt, wie es will und manche Dinge sind vorherbestimmt. Egal wie sehr ihr euch bemüht, manches steht bereits festgeschrieben!“, endete er. Der Barde hatte das Gefühl, dass ihm die Stimme des Mannes vertraut war, doch bevor er mehr Zeit fand darüber nachzugrübeln, ertönten Hornstöße von den Türmen der Stadt und kündigten die nächste Angriffswelle an. 

Der Phoenix Barde musste sofort handeln. „Entschuldigt mich!“, sagte er knapp und eilte los. Er sammelte seine Magie und sprach mit verstärkter Stimme: „Bewohner von Talfurt! Sichert eure Habe! Hütet die Kinder! Fürchtet euch nicht, der Phoenix ist gekommen!“

In Wellen, wie sie sich im schwarzen Meer bewegten, so bewegten sich die Krieger des Rabenkönigs auf die Stadt zu. Der Barde hatte keine Zeit verloren. Unter großem Erstaunen der Menschen hatte er sich wieder in einen Phoenix verwandelt und flog nun in rasender Geschwindigkeit über die Dächer der Stadt. Er erspähte eine Gruppe bedrängter Verteidiger und ging in den Sturzflug.

„Whums“, dröhnte die Explosionswelle, welche bei seiner Landung entstand. Unter den erstaunten Blicken der Verteidiger war der Phoenix wie ein mächtiger Blitz unter die Feinde gefahren. Fließend wechselte er zwischen seinen Gestalten und raste dabei durch die Lücken der Angreifer. Er stieß seine Flammen nach allen Seiten und tötete dabei einen Gegner nach dem anderen. Jubel ertönte von Seiten der Verteidiger. „Ein Phoenix?“, schrie einer der Soldaten an vorderster Front. „Ein Phoenix ist gekommen!“ Die Sonne erreichte bereits ihren Zenit. Der Barde stand in einer Gasse und keuchte schwer. Er wusste nicht, wie lange der Kampf bereits gedauert hatte. Die Horden des Feindes schienen endlos. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, wie sich ein weiterer Trupp näherte. Grimmig spurtete er los und hob seine Hand. Mit einer gleißenden Flamme versenkte er die neuen Gegner und sank danach erschöpft auf ein Knie. Das Klappern von Stiefeln echote von den Trümmern.  Er hob den Kopf. Grimmig sah er eine neue Woge von Gestalten auf sich zu marschieren. Doch plötzlich erklang ein tiefes Dröhnen und es wurde ganz still. Die Schergen des Rabenkönigs waren stehen geblieben und begannen eine Gasse zu bilden. Am Ende der Gasse stand eine riesige schwarze Gestalt, über dessen Schulter ein unnatürlich großes Schwert ragte. 

Und Phoenix Barde wusste, dieser Kampf hat gerade erst begonnen.

Epilog

Talfurt, einst eine blühende Stadt, wurde zum traurigen Symbol für die unbesiegbar scheinende Macht des Rabenkönigs. Nichts deutete mehr auf die einstige Pracht. Die Stadtmauern lagen in Trümmern, die Häuser der Bewohner waren nichts als verkohlte Überreste und tief inmitten der Stadt, an dem einst so schönen Marktplatz, türmten sich Berge von Leichen. Unter den bedrohlichen Augen der Schergen des Rabenkönigs, trugen die Überlebenden die Leichen ihrer Gefallenen über den Marktplatz und errichteten einen riesigen Scheiterhaufen.

Währenddessen thronte inmitten alldem der Rabenkönig. Er saß hoch erhoben auf einem Podest und sah mit zufriedener Miene dabei zu wie seine Siegesfeuer vorbereitet wurden. Er faltete seine Finger ineinander und begann seine nächsten Pläne zu schmieden. Die Jahreszeiten zogen über das Land und die wenigen Überlebenden schworen dem Rabenkönig die Treue. Sie errichteten ihm ein Schloss, direkt zu Füßen des einst so schönen Talfurts. Die Zukunft der wenigen, welche dem wachsenden Einfluss des Rabenkönigs entkamen, war ungewiss. Es kam der Tag, an dem die Fertigstellung des Schlosses endlich abgeschlossen wurde. Da schritt der Rabenkönig über eine lange Treppe auf die Spitze seines höchsten Turmes. Oben angekommen ging er zum Rand der Zinnen, nahm das schwarze Buch zur Hand und hob langsam seine Arme empor.  Er begann einen mächtigen Zauber zu weben. Der Himmel verdunkelte sich und der Zauber begann alles außerhalb des Schlosses mit Eis zu überziehen. Dieses Eis war so dicht und mächtig, dass selbst die wärmenden Strahlen der Sonne es nicht mehr durchdringen konnten.  Die überlebenden Bewohner von Talfurt waren nun in ewiger Dunkelheit gefangen. Tief unter dem Eis, von einem mysteriösen alten Mann entfacht, brannte ein kleines Feuer. Der Mann warf etwas ins Feuer und es begann laut zu zischen. Er richtete ganz langsam eine zitternde Hand über die Flammen und sprach:

„Ich habe dich erschaffen…“

Wie geht es weiter?