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Wir begleiten und helfen dem Phoenix Barden auch in Kapitel 2 im Kampf gegen den Rabenkönig! (hier gehts zurück zu Kapitel 1)

Inhaltsverzeichnis
Die Wiederbelebung
Die Expedition
Zurück im Jenseits

Letztes Update am 09.10.2026

Leise knisterte das Lagerfeuer am Rande der Stadt Talfurt, ein schwacher Trost in einer Welt aus Eis und Dunkelheit. Jede Nacht versammelten sich die Menschen um dieses spärliche Licht, suchten Wärme und Halt in der Gemeinschaft, während sie den gnadenlosen Winter zu überleben versuchten. Die erbarmungslose Kälte hatte ihre Herzen ergriffen, und jeder Tag war ein Kampf gegen das Erfrieren und den Hunger. Nachdem der Rabenkönig den Eiszauber über das Land gesprochen hatte, schien jede Hoffnung auf Rettung erloschen. Der Phoenix Barde, ihr großer Held, war im Kampf gefallen und mit ihm starb auch der letzte Funken Zuversicht. Jetzt blieb den Bewohnern von Talfurt nur noch die Erinnerung an wärmere Tage, während sie sich aneinanderklammerten, um dem Tod zu trotzen.

Als das Feuer an diesem Abend zu knistern begann, wusste jeder, dass es keine gewöhnliche Nacht war. Im Schein des Feuers sah man den kalten Atem der Umstehenden. Die Menschen rückten näher zusammen, suchten Trost und Hoffnung in der Gemeinschaft, doch in ihren Herzen wuchs die Angst. Sie wussten, dass sie allein gegen die Dunkelheit und die Kälte kämpfen mussten und ohne ihren Helden schien dieser Kampf aussichtslos.

Ein hagerer, bärtiger Mann schritt durch die Reihen der Menschen und verteilte harte, vertrocknete Brotlaibe unter den Hungernden. „Hier“, sagte er mit sanfter Stimme zu einer verhärmten Frau. „Es ist nicht viel…“, fügte er stockend hinzu, seine Augen voll Mitgefühl. „Habt Dank!“, antwortete die Frau, ihre Stimme brüchig vor Erschöpfung, während sie den Laib Brot entgegennahm. Der Mann beobachtete, wie sie zitternd einen alten Topf aus ihren wenigen Habseligkeiten hervorholte und vorsichtig etwas Wasser hineingoss. Ihre Blicke trafen sich erneut. „Hoffentlich weicht es auf, bevor es zufriert“, murmelte sie niedergeschlagen und schaute auf das klägliche Mahl.  Dann drehte sich ihr Kopf und ihr Blick wanderte auf das Bündel neben ihr. „Ist ja gut, mein Kleine“, sagte die Frau sanft und nahm das Bündel in ihre Arme. Liebevoll begann sie leise zu summen, ein tröstendes Wiegenlied, das in der klirrenden Kälte widerhallte. 

Der Mann wandte sich ab, seine Gedanken schwer von der erdrückenden Last der Verzweiflung, die über Talfurt lag. „Seid gesegnet, mein Herr Teremir “, flüsterte die Frau, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. Teremir setzte ein freundliches Lächeln auf und nickte. Er schritt weiter durch die Reihen der Bedürftigen, die beiden Körbe voller Brotlaibe, die in ihrer Härte und Trockenheit kaum mehr als ein schwacher Trost waren. Dennoch nahm jede Hand das Brot dankbar entgegen.

 „Hier, nimm“, sagte Teremir zu einem alten Mann, dessen eingefallene Wangen und hohle Augen die Härte des Winters verrieten. „Möge es dir ein wenig Kraft schenken.“ Der Alte murmelte ein leises „Danke“, bevor er sich mit zitternden Händen daran machte, das Brot in kleine Stücke zu brechen. Teremir setzte seinen Weg durch die zusammengesunkenen Menschen fort, sein Herz schwer von der allgegenwärtigen Not.

Die Nacht legte sich immer tiefer über Talfurt und die Kälte wurde schneidender. Teremir wusste, dass seine Bemühungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein waren, aber er konnte nicht anders, als weiterzumachen. Die Erinnerung an den Phoenix Barden, den gefallenen Helden, brannte in seinem Herzen wie eine Flamme, die ihn antrieb. „Möge dein Opfer nicht umsonst gewesen sein“, murmelte Teremir leise vor sich hin, während er weiter durch die Reihen der Menschen ging, das letzte Brot verteilend. Er wusste, dass der wahre Kampf noch bevorstand, doch in dieser Nacht, unter dem düsteren Himmel, war jeder kleine Akt der Freundlichkeit ein Licht in der Dunkelheit. Stunden vergingen wie in jeder Nacht und erschöpft ließ sich Teremir an einem der Lagerfeuer nieder. Die Flammen warfen tanzende Schatten auf die vom Leid gezeichneten Gesichter der Menschen um ihn herum. Plötzlich erklang eine laute Stimme von der anderen Seite des Feuers.

„Er wird nicht wiederkommen!“, sagte ein junger Mann in zerfetzten Lumpen, sein Gesicht schmutzig und verzweifelt. „Wir sind alle verdammt, hier unter dem Eis zu sterben. Unsere Kinder, unsere Alten und wir werden hier draufgehen für ein Märchen und für einen verdammten Phoenix, der nicht wiederkehrt“, brüllte er in die Flammen. „Seraphin, mein Junge“, seufzte Teremir und sah den jungen Mann über die Flammen hinweg und mit müden Augen an. „Beruhige dich bitte und schone deine Kräfte.“„Ich soll mich beruhigen, Herr Teremir? Wann wollt Ihr der armen Saraja sagen, dass ihr Kind vor drei Tagen erfroren ist und sie eine Leiche in den Fellen herumträgt?“ Seraphins Worte hallten durch die Nacht, wie ein unheilvolles Echo, das sich in den Herzen der Anwesenden festsetzte. „Du lügst, Seraphin! Maika lebt! Sie ist nur müde und muss sich ausruhen!“, rief die Frau namens Saraja schrill dem jungen Mann entgegen. Ihre Stimme zitterte, eine Mischung aus Hoffnung und Wahnsinn. Sie streichelte dem kleinen Mädchen über die schönen braunen Locken, rieb mit ihren Händen am starren kleinen Körper und versuchte verzweifelt Leben in die kalten Glieder zu bringen. Die Tränen strömten unaufhaltsam über ihre Wangen, während sie unaufhörlich murmelte: „Wach auf, mein Schatz, wach auf.“

Teremir senkte den Blick, unfähig die Wahrheit auszusprechen, die in Seraphins Worten lag. Die Hoffnung, die in ihren Augen glomm, war ein zerbrechlicher Faden, an den sie sich klammerte und er konnte es nicht übers Herz bringen, diesen Faden zu zerschneiden. „Seraphin“, sagte Teremir leise, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern im Wind. „Manchmal ist die Wahrheit zu schwer, um sie zu tragen. Lass sie noch ein wenig hoffen.“ Die Worte hingen in der kalten Luft und für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Dann wandte sich Seraphin ab und ließ dabei die Schultern hängen. Das Lagerfeuer knisterte weiter, ein schwaches Symbol für die verbliebene Hoffnung in einer Welt, die von Dunkelheit und Kälte umhüllt war. Teremir neigte sich vor, ein leichter Seufzer entwich seinen Lippen, während er sich mühsam erhob. Seine Schritte waren bedacht, als er sich durch die Dunkelheit bewegte, sein Blick auf die einsame Frau gerichtet, deren Umrisse im flackernden Licht des Feuers schwach zu erkennen waren.

Als er schließlich neben ihr stand hörte er  Saraja flüstern. „Es wird alles wieder gut, Maika. Mama ist bei dir. Du musst dich nur etwas aufwärmen. Dann gehen wir nach Hause und spielen mit deinen Brüdern fangen, ja? Das spielst du doch so gerne. Sie freuen sich schon so darauf“, flüsterte die Frau dem kleinen, leblosen Mädchen zu. Ihre Stimme zitterte, während sie sanft über die kalten Locken strich, ihre Worte durchdrungen von verzweifelter Hoffnung. Es herrschte eine bedrückende Stille nur unterbrochen durch das Knistern des Feuers, ein melancholisches Lied in der Stille der Nacht. Die Menschen um das Feuer blickten bedrückt zu Boden und dachten an ihre eigenen Verluste, ihre eigenen Kämpfe, alle verbunden durch das unsichtbare Band des gemeinsamen Leids. Teremir blickte Saraja ins Gesicht, in ihre gebrochenen Augen, die dennoch an einer letzten Hoffnung festhielten. Er wollte etwas Tröstendes sagen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Stattdessen legte er ihr eine Hand auf die Schulter, eine stumme Geste des Mitgefühls und der Solidarität.

Die Flammen flackerten, und der Wind trug das leise Summen der Frau davon, als sie ihr Wiegenlied fortsetzte. Inmitten der Finsternis, in einem Land, das von eisiger Kälte gefangen gehalten wurde, kämpften die Menschen von Talfurt weiter, jeder auf seine Weise. Doch in dieser Nacht, am Rande des Lagerfeuers, waren sie nicht allein in ihrem Schmerz. Und manchmal, dachte Teremir, war das alles, was sie noch hatten: Ein kleines bisschen Wärme, ein Hauch von Gemeinschaft und das schwache, flackernde Licht der Hoffnung. „Seht Ihr, Herr Teremir?“, sagte Seraphin nun dicht hinter ihm. „Wo ist der Erlöser? Wo ist der, ach so tolle Phoenix Barde jetzt?“, fügte er erbost hinzu. „Wo war er, als Maika für immer eingeschlafen ist?“, sagte er und trat bei ein Holzscheit in die Glut. Teremir seufzte tief, die Last der Jahre und der Enttäuschungen auf seinen Schultern. „Er liegt begraben. Dort vor dem Klingengebirge in seinem steinernen Grab.“ Seraphin schüttelte resignierend den Kopf. „Jede Woche versammeln wir uns und singen diese Lieder. Wir beten dafür, dass er aufersteht. Aber nichts passiert. Ich sage, wir müssen jetzt aufstehen. Wir müssen dem Rabenkönig und seinem Schattenheer die Stirn bieten. Wir müssen kämpfen! Für Maika, für die Menschen hier und jeden anderen.“ Die Worte Seraphins hallten in den Köpfen der Anwesenden wider, ein Funke des Widerstands inmitten ihrer Verzweiflung. „Seraphin“, begann Teremir, seine Stimme leise, aber fest, „ich verstehe deinen Zorn, das tue ich wirklich, wir alle leiden unter der Herrschaft des Rabenkönigs. Doch ein Angriff ohne Plan, ohne Führung, wird uns alle ins Verderben stürzen. Wir müssen klug handeln.“ „Klug handeln?“, fauchte Seraphin zurück. „Wie lange sollen wir noch warten? Bis auch die letzten von uns tot sind?“ Ein Klatschen unterbrach den Streit. Abfällig klatschte ein alter Mann in die Hände und ging auf Seraphin zu. Sein genaues Alter war schwer zu sagen, doch seine Haare waren grau und ein struppiger Bart wehte im Wind. Trotz seines offensichtlichen Alters bewegte er sich geschmeidig, was nicht so recht zu seinem Erscheinungsbild passte. Mit schwarzen Augen, in denen sich das Feuer spiegelte, war kurz etwas Raubtierhaftes zu erkennen, als er sagte: „Mein junger Freund, ich teile deine Ansicht. Aber ich wusste gar nicht, dass du ein so großer Krieger bist. Wie viele Menschen sind bereits durch deine Klinge gefallen?“

Seraphin stammelte leise. „Ich besitze keine Klinge.“ Der alte Mann spottete: „Ach so. Dann nehme ich an, du möchtest den Rabenkönig überzeugen, das Eis schmelzen zu lassen?“ „Nein, das… das ist nicht… ich meine, natürlich müssen wir… auf jeden Fall“, murmelte Seraphin, während er seinen Gedanken zu sortieren versuchte. „Ich sehe schon“, lächelte der alte Mann vielsagend. „Es scheint, als hättest du nicht bis zum Ende gedacht, hm? Keiner von euch weiß, wie dieses Monster gestoppt werden kann. Der Rabenkönig empfindet keinen Schmerz. Er ist ein Schatten ohne Seele, mit einem eiskalten Herz. Schwarze Magie hat ihn beschworen, und ihr habt nicht einmal vernünftige Waffen, um gegen sein Heer der Schatten anzutreten. Ihr werdet alle sterben, bevor ihr auch nur in die Nähe seines goldenen Knochenthrons gelangt!“ Teremir trat entschlossen vor den alten Mann. „Gibt es also keine Hoffnung?“, fragte er besorgt. Der alte Mann blickte in Richtung des Klingengebirges und sprach nicht ganz ohne feierlichen Unterton „Es gibt Hoffnung. Aber jemand muss mich zum Grab des Phoenix Barden bringen.“

„Und dann, alter Mann? Was wollt ihr an diesem Grab?“, fragte Seraphin, der seinen Mut mittlerweile wiedergefunden hatte. Ein feierliches Lächeln zierte die Lippen des alten Mannes, als er mit lauterer Stimme als zuvor antwortete: „Dann werde ich den Phoenix Barden zurückholen und ihn auferstehen lassen!“ Ein lautes Raunen und Gemurmel erfüllten die Luft, als die Worte des alten Mannes die Runde am Feuer erreichten. Herr Teremir seufzte unüberhörbar und brachte mit zusammengebissenen Zähnen seinen Missmut zum Ausdruck: „Das Letzte, was diese Menschen jetzt brauchen, ist ein Geschichtenerzähler mit einer blühenden Fantasie!“ Ohne weitere Worte schritt der alte Mann zu der Frau, die immer noch summend ihr lebloses Kind in den Armen hielt. Er verharrte vor ihr, seine Miene ernst, mit gerunzelter Stirn, seinen Kopf zur Seite gelegt, bevor er sie ansprach und dabei mit einem Finger auf das regungslose Kind deutete. „Maika, richtig?“, fragte der alte Mann. Die Frau nickte verwirrt. „Ja, Herr.“ Er nickte wissend. „Und du bist Saraja, oder?“, fügte er lächelnd hinzu. Verblüfft antwortete Saraja: „Ja, das stimmt, Herr. Woher kennt ihr meinen Namen?“ Ohne auf ihre Frage einzugehen, betrachtete der alte Mann Saraja nun eingehender. „Saraja, alles, was beginnt, muss auch ein Ende finden. Der Tod ist beides: ein Anfang und ein Ende, ein Gleichgewicht in sich. Der Tod wird immer ein Gegengewicht fordern oder bringen. Und nun sag mir, Saraja, Tochter des Velian und der Agathe, was gibst du als Gegengewicht für Maikas Tod?“ Tränen rannen Saraja über die Wangen. „Alles! Ich würde alles geben!“, schluchzte sie flehend.

Der alte Mann nickte verständnisvoll und legte seine Hand auf ihren Bauch. „Ein Kind wächst in dir heran. Das blühende und volle Leben“, verkündete er mit beinahe erregter Stimme. Plötzlich durchzuckte Saraja ein Schmerz, der sie aufschreien ließ. Sie begann sich zusammen zu kauern und legte ihre Hände schützend um ihren Unterleib. Doch schon begann sich ihre Hose rot zu färben und eine blutige Pfütze sammelte sich auf dem Boden. Entsetzt schrie Herr Teremir: „Was habt ihr getan?“ Unter den angsterfüllten Augen der Mutter tunkte der alte Mann seinen Finger in das sich am Boden sammelnde Blut. Dann hob er seinen Arm und strich etwas davon auf die Stirn des Kindes.

Ein zorniger Ruck ging durch die Versammelten und einige griffen bereits nach ihren Knüppeln, als sich plötzlich Maikas Mund öffnete und ein schwaches leises Wimmern erklang.  

Teremir blieb wie angewurzelt stehen, während sich sein Mund trocken anfühlte und er geschockt die Szene beobachtete. Der alte Mann erhob sich und wandte sich zu ihm um.“Ich nahm und ich gab, Herr Teremir.“, sagte er. „Und jetzt stellt mir eine Expedition zusammen. Ich muss einen Phoenix zurückholen“, verkündete der alte Mann mit lauter Stimme und festem Blick.

Zurück im Jenseits

„Hast du geglaubt, ich wäre nur ein dunkler Traum? Hast du geglaubt, deine Erlösung wär nicht fern? Ich enttäusche dich – nur allzu gern! Mua ha ha ha ha!“ „Bitte rette mich, mein Liebster! Er ist nicht mehr fern! Ich kann nicht mehr lange durchhalten! Hilf mir!“

Der Phoenix Barde riss die Augen weit auf und schrak vom Boden hoch. „Isabell!“, fuhr es laut aus ihm heraus, während seine Hände sich tief im schwarzen Sand unter ihm vergruben. Der Boden war kalt, trocken, und doch schien er zu pulsieren, als würde er selbst atmen. „Ich reiße ihm jede seiner Federn einzeln heraus!“, presste er wutentbrannt aus den Lippen. „Hörst du mich, Rabenkönig? Ich komme wieder und lass dich zahlen!“
„Starke Worte für einen Toten“, klang es aus dem dichten Nebel hervor, der den Barden auf einmal umgab. Er war schwer wie ein schwarzer Mantel, der jede Bewegung erstickte. „Doch ich fürchte, dass es weitaus komplizierter ist, zurückzukommen, als du denkst.“ „Wer bist du? Zeig dich, du Feigling, und versteck dich nicht im Nebel! Sonst…“ „Sonst was?“, grollte die tiefe Stimme, und im Nebel zeichnete sich die unheilvolle Gestalt ab. „Sonst lass ich dich gleich zu Asche zerfallen?“

Der Barde spannte sich an und wollte sich verwandeln, doch es klappte nicht. Auch das Beschwören von Flammen endete nur in Funken und Rauch, die im Wind verpufften. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. „W… wie kann das sein?“, schaute der Barde ungläubig auf seine Hände. Die Stimme lachte trocken, bedrohlich und kalt. „Phoenix, hier in diesem Reich gelten andere Regeln. Da dein Herr und Gebieter immer schwächer wird, verlierst auch du immer mehr an Kraft.“ „Er ist nicht mein Herr!“, fuhr es zischend aus dem Barden.
Die Gestalt trat einen Schritt aus dem Nebel hervor: Sie trug einen langen schwarzen Ledermantel, schwer und glänzend wie Öl, und verbarg ihr Antlitz unter einer Kapuze. Die Knochenfinger ruhten auf einem pechschwarzen Schwert, das im Nebel schimmerte, als würde es das Licht verschlucken. „Alles eine Frage der Definition, mein lieber Phoenix.“

Wut stieg im Phoenix Barden auf, und er ballte erneut die Fäuste. „An deiner Stelle würde ich mir das sparen“, warnte die Gestalt und hob leicht die Klinge. „Wage es, mich anzugreifen, und meine Klinge wird dich elendig durchbohren. Aber es ist deine Entscheidung. Wenn ich du wäre, würde ich die Unterhaltung wählen.“ „Wer bist du?“, fragte der Barde ungeduldig. „In allererster Linie würde ich mich als deinen Gönner und Helfer bezeichnen. Aber andere nennen mich auch den ‚Gevatter‘ oder ‚Das Unausweichliche‘.“ „Du bist der Tod“, sprach der Phoenix nun deutlich erhellter.
„Na, du bist ja ein Schnellmerker. Dass du da nicht früher drauf gekommen bist. Ja, ich bin der Tod, und du bist erneut in meinem Reich. Aber keine Angst. Kapitän Nilus wird hier nicht wieder auftauchen und auch nicht sein Knochenschiff. Diesmal hole ich dich höchstpersönlich ab.“ „Vielen Dank für deine Mühen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Partner schon recht bald wieder ein Tor für mich öffnen wird. Hat was mit dieser Phoenix-Sache zu tun, weißt du?“

Der Tod lachte trocken und hallend, wie Knochen, die aneinander schlugen. „Ich muss gestehen, dass du mich amüsierst, junger Barde. Du hast anscheinend keine Ahnung von dieser ‚Phoenix-Sache‘. Dein sogenannter Partner hat ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Ihm geht das Übernatürliche so langsam verloren. Seine Werkstatt läuft nicht mehr, und die Bedienungsanleitung für ewiges Leben… naja, die hat wohl gerade ein anderer. Dich in die sterbliche Welt zurückzuholen, kostet ihn mehr Energie und Kraft, als er zur Verfügung hat. Der gute Herr der Zeit muss ganz tief in seine Hokus-Pokus-Trickkiste greifen. Jeder Tag ohne sein schwarzes Buch bedeutet für ihn einen Schritt mehr in meine Richtung.“

Der Barde erstarrte, Gedanken rasten durch seinen Kopf. Hatte ihn der alte Mann nur erschaffen, um selbst unsterblich und gottgleich zu bleiben? War er nur ein Werkzeug, ein Spielzeug? Der Tod trat näher, seine Schritte klangen wie das Knirschen von Kies unter schweren Stiefeln. „Hast du wirklich geglaubt, dass du der Held in dieser Geschichte bist? Dass du erschaffen wurdest, um das Böse zu besiegen?“


Eine Träne rann über die Wange des Barden – hell und leuchtend wie flüssige Sonnenstrahlen, heiß wie Höllenfeuer. Sie brannte eine Spur in den schwarzen Sand, als sie fiel. „Also starb Isabell für nichts. Ich starb für nichts und wurde zum Phoenix Barden… für nichts.“ Der Gevatter zuckte mit den Schultern, als wäre es belanglos. „Ich sagte dir bereits, dass es auf die Sichtweise ankommt. Du kannst dich nun selbst bedauern oder dem Ganzen einen Sinn geben. Er wird dich hier rausholen. Doch zu einem sehr hohen Preis.“v„Welcher Preis?“, fragte der Phoenix völlig unwissend. „Um das Tor erneut zu öffnen, muss er Menschenopfer bringen. Er benötigt das Blut von rechtschaffenen, tugendhaften Menschen… oder Unschuldigen. So öffnet er dir den Weg heraus aus deinem Grab.“ „Und dann bin ich wiederhergestellt?“, wollte der junge Barde wissen. „So gut wie. Doch diese Kräfte werden nicht reichen. Nur wenn du bereit bist, neue Fähigkeiten zu erlernen und vor allem zu erlernen, wie du von allein aus meinem Reich entfliehen kannst, wirst du es schaffen, dich und deine Liebste zu retten.“

Schlagartig wurde dem Barden wieder bewusst, dass Isabell Hilfe brauchte. Er fuhr auf, seine Stimme bebte entschlossen. „Wo finde ich sie?“ „Ich würde es dir gerne sagen, junger Freund. Doch leider hat der Rabenkönig sie aus meinem Reich entführt. Ich kann dir nur vorschlagen, noch eine Weile gemeinsame Sache mit dem Herrn der Zeit zu machen, um von hier zu entkommen und deine Fähigkeiten zu verbessern. Anschließend kannst du bestimmt deine Freundin finden.“


Der junge Barde lief auf und ab, völlig im Wahn und in Sorge um seine Prinzessin, während seine Schritte den schwarzen Sand aufwirbelten. Er hörte sein eigenes Herz laut und unregelmäßig in der Stille schlagen. Und so bekam er gar nicht mit, wie eine kleine Spinnenkreatur aus dem Sand heraus krabbelte und sich am Mantel des Todes empor arbeitete. Der Tod nahm die kleine Kreatur auf seine knöchernen Finger. Ihre Beine zitterten auf den Knochen. „Sag deiner Herrin, dass er bald erscheinen wird. Und erinnere sie an unsere Abmachung. Denn sonst komme ich persönlich zu ihr!“


„Wie kann es sein, dass jemand aus deinem Reich einfach so entführt wird?“, polterte der Phoenix Barde. „Der Rabenkönig ist eine mächtige Kreatur. Selbst ich kann ihm nur bestimmte Grenzen setzen. Aber keine davon verbietet ihm, mein Reich zu betreten oder zu verlassen – auch nicht, in welcher Begleitung er dies tut.“ Während er dies sagte, setzte der Tod die kleine Spinnenkreatur wieder auf den Boden, welche sich sofort mit ihren vielen behaarten Beinen im Sand vergrub. „Warum sagst du mir das alles und hilfst mir damit? Was hast du davon?“, fragte der Barde ungläubig.


„Ich habe meine eigenen Belange, junger Phoenix, und die muss ich dir nicht weiter erläutern. Alles hat einen Preis, und ich tue das nicht aus Nächstenliebe. Der Rabenkönig missfällt mir. Ich bin nicht erfreut über sein eigenmächtiges Handeln, seine ungebetenen Besuche oder die Rekrutierung von Seelen für sein Heer der Schatten. Für den Moment ist es mir einfach lieber, dass du diesen Kampf gewinnst.“ Der Tod deutete auf ein schwarzes Nichts in der Ferne. „Geh in diese Richtung. Ich spüre, dass sich dort in der Dunkelheit bald ein Portal öffnen wird.“
Der Barde funkelte ihn an, seine Augen glühten vor Zorn. „Ich hoffe für dich, dass du mich nicht betrügst, Gevatter. Denn sonst komme ich wieder und brenne dein Reich komplett nieder!“, sprach der Barde und ging mit schweren Schritten auf das schwarze Nichts zu. Als der Barde kaum noch zu sehen war, lächelte der Tod ein kaltes, wissendes Lächeln. „Ich bin mir sicher, dass du wiederkommst.“
Ein kleiner Gnom stellte sich langsam neben den Tod und schaute ihn fragend an. „Warum nicht haben gesagt, das Mädchen bei uns im Turm? Taris nicht verstehen, mein Herr.“ Der Tod blickte ernst auf ihn herab, seine Stimme klang wie ein Grabstein, der in die Erde sinkt. „Taris muss das auch nicht verstehen. Aber manchmal bedarf es einer Motivation.“

Wie geht es weiter?